Hugenottenpark, Mikwe und Tabakspeicher

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Durch die Innenstadt von Schwedt

Schwedt/Oder ist die an Einwohner:innen größte Stadt der Uckermark. Sie war Residenz einer Nebenlinie der Hohenzollern und eins von drei Zentren des deutschen Tabakanbaus. Der Rundgang durch die Innenstadt zeigt, wie liebevoll die Zeugnisse der Vergangenheit wiedergewonnen und gepflegt werden. Auf der dreieinhalb Kilometer langen Tour erlebt man den Europäischen Hugenottenpark, einen großen Tabakspeicher, Zeugnisse der einst bedeutenden jüdischen Gemeinde und das Stadtmuseum.

Schwedt (Oder) ist eine Grenzstadt und Endstation eines Abzweiges der Regional-Express-Linie RE3. Die Stadt hat zwei Bahnhöfe. Besucher:innen, die zum ersten Mal kommen, laufen Gefahr, bereits am Bahnhof Schwedt-Mitte auszusteigen, wenn sie in die City wollen. Besser ist es, bis zur Endstation sitzen zu bleiben.

Blick auf den Berlischky-Pavillon, ringsrum Bäume und Beete.
Berlischky-Pavillon an der Lindenallee

Die Bahnhofstraße führt zum ersten Ziel der Tour, einem historischen Wahrzeichen Schwedts, dem Berlischky-Pavillon. Er wurde für die französisch-reformierte Gemeinde gebaut, als Schwedt seine Blüte als Markgrafenresidenz erlebte. 1984 wurde der Bau von Grund auf restauriert und trägt seither den Namen „Berlischky-Pavillon". Er wird für Konzerte und als Standesamt genutzt.

Anschließend geht es weiter in die Lindenstraße. Die große Magistrale führte eins zum Schwedter Schloss. Heute ist an ihrem Ende das Gebäude der Uckermärkischen Bühnen zu sehen. Diese bieten ganzjährig eine große Bandbreite von Veranstaltungen an, darunter Schauspiel- und Musicalinszenierungen des hauseigenen Ensembles, Konzerte, Musiktheater und mehr. Direkt am Ufer der Alten Oder finden hier außerdem von Juni bis September die traditionellen Odertal-Festspiele auf der Freilichtbühne statt.

Im 17. Jahrhundert als Barockgarten angelegt

Hinter dem Gebäude der Uckermärkischen Bühnen befindet sich der zwei Hektar große Europäische Hugenottenpark. Der ehemalige Schlossgarten wurde im 17. Jahrhundert als Barockgarten angelegt. Kopien von sieben Sandsteinskulpturen, die antike Gottheiten und Musen darstellen, erinnern an den historischen Charakter des Parks. Der steinerne Weg und das Hugenottenkreuz entlang der Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße symbolisieren den langen Weg der Hugenotten in die Uckermark.

Am Ende des Parks geht der Weg in eine großzügige Uferpromenade über, die den markigen Namen „Bollwerk“ trägt. Ein weithin sichtbares Bauwerk dort ist der Juliusturm aus dem Jahr 1909. Er war Teil der ersten zentralen Abwasserentsorgung und damit ein Grundstein für die industrielle Entwicklung der Stadt. Am Turm vorbei geht es links in die Gartenstraße. Zwischen ihr und der Gerberstraße ist ein solider Tabakspeicher erhalten geblieben.

Blick auf einen Parkeingang, im Hintergrund kahle Bäume und welche, die rosa blühen. Der Weg ist gesäumt von grüner Wiese.
EIngang zum Europäischen Hugenottenpark

Das Gebäude wurde in den 1880er Jahren für eine Tabakfirma errichtet. Nach 1902 nutzte es die Uckermärkische Tabakverwertungsgenossenschaft. In Selbsthilfe wollten damals die Genossenschaftsmitglieder die zum Teil bereits vernachlässigte Kultur des Tabakanbaus erneuern. Der Kunstverein Schwedt eröffnete 1998 in dem Haus die „Galerie am Kietz". Wechselnde Ausstellungen, der vorweihnachtliche Kunst- und Kunsthandwerkermarkt und das Internationale Landschaftspleinair gehören zu den wiederkehrenden Ereignissen.

Die Tour führt weiter entlang der Gartenstraße und über die Berliner Straße. Nach einigen Metern fällt auf der rechten Seite eine rote Backsteinkuppel ins Auge: das Jüdische Museum mit Ritualbad (Mikwe). Eine kleine Ausstellung erinnert an die Zeit, als Schwedt noch jüdische Bürger:innen hatte und diese das städtische Leben prägten. Im Sommer finden im Garten Konzerte statt. 

Blick in einen Hof auf eine braune Eingangstür, rechts eine Kuppel aus Backstein.
Jüdisches Museum mit Ritualbad (Mikwe).

Der Weg führt nun durch die Louis-Harlan-Straße. Hier steht ein sanierter Rest der Stadtmauer aus dem 18. Jahrhundert. Weiter geht es durch enge Gassen zum Stadtmuseum in der Jüdenstraße. Die Dauerausstellung lädt zu einer Zeitreise ein. Besucher:innen erfahren etwas über den Schwedter Hocker, über Martin Graf von Hohenstein, die Prinzen von Geblüt aus dem Hause Hohenzollern und andere Schwedter Geschichten. Das Museum ist barrierefrei eingerichtet.

Nur wenige Schritte sind es dann zur Vierradener Straße, der Schwedter Fußgängerzone mit kleinen Geschäften und Cafés. Dominiert wird die Vierradener Straße von der evangelischen Stadtpfarrkirche St. Katharinen. Sie ist in ihrem Kern eine einfache aus Feldsteinen errichtete Hallenkirche aus dem 13. Jahrhundert. Am 18. April 1945 brannte die Stadtkirche bis auf die Umfassungsmauern aus, ein Teil des Gewölbes und die drei stählernen Glocken aus dem Jahr 1921 konnten gerettet werden. Beim Wiederaufbau 1950 entstand auf dem Turm eine Aussichtsplattform, die einen weiten Ausblick in die Umgebung gestattet.

Eine ganze Reihe historischer Bauten

Bevor es zurück zum Berlischky-Pavillon geht, kann man sich noch ein wenig auf dem Vierradener Platz umsehen. Hier steht eine ganze Reihe historischer Bauten, darunter das frühere Amtsgericht mit angeschlossenem Stadtgefängnis. 

Anreise

  • Hinfahrt: z. B. mit dem RE3 um 10.23 ab Berlin Hbf bis Bf Schwedt (Oder)
  • Fahrzeit: 1 Stunde 32 Minuten
  • Rückfahrt: z. B. um 18.04 Uhr

Ticket-Tipp

Der Einzelfahrausweis von Berlin nach Schwedt (Oder) kostet pro Strecke 16,20 Euro. Ab zwei Reisenden lohnt sich das Brandenburg-Berlin-Ticket. Es gilt Mo–Fr von 9 Uhr bis 3 Uhr des Folgetages sowie Sa+So und an Feiertagen von 0 Uhr bis 3 Uhr des Folgetages. Es kostet 36,50 Euro und kann von Gruppen bis zu fünf Personen genutzt werden. Darüber hinaus können bis zu drei Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren kostenlos mitgenommen werden.

Wer das Deutschland-Ticket nutzt, kommt auch damit bis nach Schwedt (Oder).

Weitere Informationen hier: bahn.de/brandenburg | vbb.de

Tipps für den Ausflug

1. Kunsthandwerkermarkt in den Uckermärkischen Bühnen1. März | 10 Uhr | Hauptfoyer (Kleiner Saal) | Eintritt: 2 €

Handgemacht, regional, einzigartig: Besucher:innen erleben die kreative Vielfalt der Uckermark, entdecken besondere Lieblingsstücke und genießen einen Tag voller Inspiration, Begegnungen und handwerklichem Charme.

Berliner Straße 46/48 16303 Schwedt/Oder

Jüdisches MuseumBitte beachten: Erst ab 2. Mai wieder geöffnet. | Fr–So 14–17 Uhr

Gartenstraße 6 16303 Schwedt / Oder

Text: terra press, punkt 3, 12.02.2026