Unterwegs auf stillen Wassern

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Paddeln im Tollensetal durch ein bronzezeitliches Schlachtfeld

Als Paddler:innen 1996 im mecklenburgischen Flüsschen Tollense einen menschlichen Knochen im Wasser entdeckten, trauten sie ihren Augen nicht: Im Knochen steckte eine Pfeilspitze aus Feuerstein! Daraufhin untersuchten Archäolog:innen das Gebiet zwischen Altentreptow und Klempenow und fanden mehrere tausend Überreste von Menschen aus der Bronzezeit. Ihre Verletzungen offenbarten, dass hier vor rund 3.000 Jahren eine Schlacht stattgefunden haben muss. Bis zu 5.000 Männer sollen im Tal der Tollense gekämpft haben.

Das lässt sich heute nur noch schwer vorstellen. Friedlich und still windet sich das Flüsschen Tollense durch die mecklenburgische Grundmoränenlandschaft und bietet fantastische Sichten auf sanfte Hügel und grüne Wiesen. Durch den kurvenreichen Verlauf der Tollense tun sich ständig neue Perspektiven auf. Und das Kopfkino vom riesigen bronzezeitlichen Schlachtfeld gibt der Paddeltour noch einen ganz besonderen Kick!

Blick auf eine grüne Landschaft mit blauem Himmel, rechts im Vordergrunde ein Baum ohne Blätter.
Landschaft an der Tollense

Rund 16 Kilometer lang ist die Paddelstrecke von Altentreptow nach Klempenow mit seiner stolzen Burg. Das ist auch für Anfänger:innen in vier bis fünf Stunden gut zu schaffen. Einen schwimmbaren Untersatz bekommt man von der Kanustation Klempenow oder vom Kanuverleih MV. Einfach vorher anrufen und die Kanus nach Altentreptow bringen lassen. Die Teams der Kanuverleiher fahren ihre Kund:innen nach Absprache auch mit dem Auto wieder nach Altentreptow zurück. Noch ein kleiner Tipp: Im Sommer unbedingt an einen Sonnenhut denken und ein Picknick mitnehmen, denn unterwegs gibt‘s keine Einkehrmöglichkeiten.

In Altentreptow finden sich dennoch nette Orte wie der Marktplatz mit Rathaus, hübsche kleine Häuser und die Kirche. Der größte Schatz der Stadt im wahrsten Sinne des Wortes aber ist der Große Stein, Deutschlands zweitgrößter Findling: acht Meter lang, fünf Meter hoch. Erst nach einer aufwändigen Hebung aus dem Erdreich im Frühjahr 2021 zeigt sich der rund 450 Tonnen schwere Riese in voller Schönheit. Aber das ist schon wieder eine andere Tour, denn diesmal soll ja gepaddelt werden! 

Schmucke Häuser und Datschen am Flussufer

In die Tollense eingesetzt werden die Kanus an einem Holzsteg unterhalb der Straßenbrücke Fritz-Reuter-Straße nahe der Tankstelle. Vom Bahnhof aus geht es gut einen Kilometer die Bahnhofstraße entlang, am Marktplatz links in die Unterbaustraße und dann rechts in die Brückengasse, die in die Oberbaustraße mündet. Nach wenigen Metern linker Hand führen die Hospitalstraße, Mühlenstraße und Fritz-Reuter-Straße zum Ufer der Tollense, wo schon das Kanu wartet. 

Jetzt wird losgepaddelt! Auf den ersten Metern schmiegen sich schmucke Häuser und Datschen ans Ufer der Tollense. Es geht unter einer Brücke hindurch und vorbei an den Angelteichen der „Wiesenquelle“. Und dann Weite und Stille. Am Ufer spielt das Naturtheater jeden Tag ein neues Stück: Zu sehen sind Prachtlibellen bei ihrem munteren Treiben im Schilf, mit etwas Glück beobachtet man die pfeilschnellen Eisvögel und entdeckt Spuren eines genialen Baumeisters, des Bibers. 

Blick auf eine alte Burg in der Ferne, davor ein Fluß und grüne Landschaft.
Burg Klempenow

Linker Hand in Höhe des Ortes Weltzin soll es gelegen haben, das einstige Schlachtfeld. Hier kann man innehalten, die Augen schließen – und sich vorstellen, was für eine Schlacht die Männer gekämpft haben. Am rechten Ufer der Tollense liegt dann schließlich die Burgruine Conerow. Viel ist nicht mehr zu sehen, nur Mauerreste aus Backsteinen in einem kleinen Wäldchen. Im Mittelalter bot die Burg Kaufleuten und Reisenden für die Nacht Unterkommen und Schutz.

Fröhlich mäandert der Fluss weiter durch die Wiesen, schlägt Haken, windet sich mal nach links, mal nach rechts. So ist die Burg Klempenow aus der Ferne schon gut zu sehen, allerdings muss man noch eine knappe Stunde paddeln, bis man die einstige Ritterburg erreicht. Kurz vor dem Wehr kann man bei der Kanustation am Fuß der Burg bequem anlegen.

Auf den Burgwiesen neue Kräfte sammeln

Die Burg wurde Mitte des 13. Jahrhunderts vom niedersächsischen Rittergeschlecht derer von Heydebreck im Auftrag des Pommerschen Herzogs als Grenzbefestigung im moorigen Urstromtal am Zusammenfluss von Tollense und Landgraben erbaut und im 17. und 18. Jahrhundert umfassend neu gestaltet. 1991 hat der Verein „Kultur-Transit-96“ sich vorgenommen, die Burg zu sanieren und kulturell zu beleben. Große Teile sind inzwischen für die Öffentlichkeit zugänglich. 

Vor der Rückfahrt kann man sich noch im Burgcafé „Occa Ripperda“ stärken oder auf den Burgwiesen neue Kräfte sammeln. Auch ein Blick in die Dorfkirche lohnt sich, ein Fachwerkbau mit hölzernem Turm. Anschließend geht es mit einem Mitarbeitenden des Kanuanbieters zurück zum Bahnhof Altentreptow. Und falls der Muskelkater zugeschlagen hat – Übung macht den Meister. Auf zur nächsten Paddeltour!

Anreise

  • Hinfahrt: z. B. mit dem RE5 um 9.46 Uhr ab Berlin Hbf bis Bf Altentreptow
  • Fahrzeit: 1 Stunde 58 Minuten
  • Rückfahrt: z. B. um 18.15 Uhr

Ticket-Tipp

Das STADT-LAND-MEER-TICKET kostet für die Hin- und Rückfahrt 45 Euro, bis zu drei Kinder (6–14 Jahre) fahren kostenlos mit.

Wer mit einer größeren Gruppe fahren möchte, ist mit dem Quer-durchs-Land-Ticket (QdL) gut beraten. Es gilt samstags, sonntags und an gesetzlichen Feiertagen von 0 Uhr bis 3 Uhr des Folgetages für beliebig viele Fahrten im Regionalverkehr – und zwar deutschlandweit. Es kostet für eine Person 51 Euro, bis zu drei Kinder (6–14 Jahre) fahren kostenlos mit. Bis zu vier Erwachsene können vergünstigt mitreisen. Bitte beachten: Mo–Fr gilt das QdL erst ab 9 Uhr.

Wer das Deutschlandticket nutzt, kommt auch damit bis nach Altentreptow.

Weitere Informationen hier: bahn.de/mv | vbb.de

Tipp für den Ausflug

Jahrmarkt auf Burg Klempenow13. Juni | 10–21.30 Uhr

Mit Kunsthandwerk aus dem Norden, Musik und Theater auf der Festwiese. Dazu leckere Speisen und Produkte aus der Region.

Text: terra press, punkt 3, 04.06.2026