Frauen bei der Bahn: Lange nicht selbstverständlich

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Von reglementierten Hilfsdiensten bis zur Präsenz in technischen Berufen

Wer die Clara-Jaschke-Straße am Berliner Hauptbahnhof passiert, wandelt auf den Spuren einer echten Pionierin. Clara Jaschke gilt als eine der ersten Frauen in der deutschen Eisenbahngeschichte. Sie begann 1875 am Schlesischen Bahnhof – dem heutigen Ostbahnhof – als Telegraphistin und kämpfte dafür, dass Frauen mit gleichem Lohn und gleichen Rechten auf Rentenbezüge auf festen Stellen als Beamtinnen eingestellt wurden.

Dabei haben Frauen schon viel früher eine wichtige Rolle bei der Eisenbahn gespielt, wenn auch in geringer Anzahl. Nachforschungen haben gezeigt: Zu Beginn des Eisenbahnbaus in den 1830er Jahren sind Tagelöhnerinnen durch das ganze Land gezogen und haben im Gleisbau gearbeitet. Außerdem wurden Frauen als Hilfskräfte der Bahnhofsvorstände kleinerer Stationen beschäftigt oder übernahmen Garderoben- und Putzdienste. 

Zwei Männer und zwei Sitzen vor Monitoren, drei der Personen telefonieren.
Team aus Männern und Frauen in der Betriebszentrale Pankow.

Ab den 1870er Jahren stellten die Eisenbahnverwaltungen ledige Frauen aus Eisenbahnerfamilien als Telegraphistinnen und Ticketverkäuferinnen ein. Erst unter den extremen Bedingungen der beiden Weltkriege haben sich schließlich neue Berufsfelder eröffnet. So arbeiteten Frauen fortan als Schaffnerin, Stellwerkerin oder Aufseherin – erstmals auch mit einer eigenen Uniform. Ende 1943 gab es mindestens 190.000 Eisenbahnerinnen in Deutschland.

Frauen haben in dieser Zeit alles geleistet. Danach wurden sie jedoch häufig wieder entlassen, sobald ein Mann für die Stelle verfügbar war. Aus diesem Grund blieben bei der Bundesbahn viele Karrierewege für Frauen verschlossen. Anders verhielt es sich bei der Reichsbahn in der DDR. Hier gab es keine Zugangs- und Beschäftigungsbeschränkungen für Frauen. Auch die ersten deutschen Lokführerinnen wurden in der DDR ausgebildet, das war in den 1960er Jahren. Bei der Bundesbahn durften Frauen ab 1971 in den Lokführerinnendienst eintreten.

Eine Kundenbetreuerin verteilt in einem Regionalzug Osterüberraschungen an einen weiblichen Fahrgast.
Kundenbetreuerin Esther Janke verteilt Osterüberraschungen an die Fahrgäste.

Und wie sieht es heute aus? Mit Gründung der Deutschen Bahn AG im Jahr 1994 und der Bahnreform begann ein langsamer, aber stetiger Anstieg des Frauenanteils. Er lag im Februar 2026 bei 22,7 Prozent. Frauen arbeiten heute in allen Bereichen des Unternehmens – sie sind zum Beispiel als Lokführerinnen, Ingenieurinnen und im Vorstand tätig. Die Deutsche Bahn verfolgt außerdem das Ziel, den Anteil weiblicher Führungskräfte bis zum Jahr 2035 auf 40 Prozent zu steigern (von 31,5 Prozent, Ende 2024).

Quellen zur Historie: deutschebahn.com (Konzern > Geschichte), allianz-pro-schiene.de (Interview: „Frauen bei der Eisenbahn – Von den Anfängen bis zur Gegenwart“)

Schon gewusst?

  • Im April 2014 wurde das DB-Netzwerk „Frauen bei der Bahn“ gegründet. Es bietet seitdem unterschiedliche Formate für Netzwerktreffen an und realisiert Projekte, die zur Chancengerechtigkeit der Frauen beitragen.
  • 2022 war für das Netzwerk ein besonders erfolgreiches Jahr – mit dem Female ICE als aufmerksamkeitsstarkem Höhepunkt: Am 11. Mai fuhr zum ersten Mal ein Female ICE quer durch Deutschland. Unter dem Motto „Bewegende Frauen am Zug“ wurde dieser ICE nahezu komplett von weiblichem Personal betrieben und bewegt.

Text: Josephine Mühln, punkt 3, 12.03.2026