Artikel: „Wir haben ein gemeinsames Ziel“
Auf der Berliner Stadtbahn finden vom 14. Juni und bis 12. Dezember umfangreiche Bauarbeiten statt. Fern- und Regionalzüge werden umgeleitet oder nur auf Teilstrecken eingesetzt. Betroffen sind die Regional-Express-Linien RE1, RE2 und RE7 sowie die Regionalbahnlinien RB14, RB21 und RB23 im Abschnitt zwischen Berlin-Charlottenburg und Berlin Ostbahnhof. Fahrgäste müssen sich auf den Umstieg in die S-Bahn oder den Ersatzverkehr gefasst machen. Im Interview erläutert Katja Bleich von DB InfraGO, warum die Sperrung notwendig ist, welche Maßnahmen stattfinden und welche Herausforderungen das Projekt mit sich bringt.
Wofür ist die sechsmonatige Stadtbahn-Sperrung nötig?Katja Bleich: Eines der zentralen Projekte der Stadtbahn-Sperrung ist der Neubau eines Weichentrapezes am Berliner Hauptbahnhof. Das sind vier Weichen, die den Gleiswechsel und den Wechsel der Fahrtrichtung zwischen zwei Gleisen ermöglichen. Allein dafür hätten wir die Stadtbahn sperren müssen. Außerdem erneuern wir 14 Weichen im Ostbahnhof. In diesem Zeitraum bündeln wir nun eine Vielzahl weiterer Maßnahmen, die für die Instandhaltung dringend notwendig sind.
Die S-Bahn kann in diesem Zeitraum weiterhin fahren?Katja Bleich: Genau. Es war unser klares Ziel, unseren Fahrgästen jederzeit eine Verbindung auf der Stadtbahn zu ermöglichen. Die S-Bahn fährt während der Sperrung der Fern- und Regionalbahngleise wie gewohnt. Voraussichtlich 2027 erfolgen die erforderlichen Arbeiten auf der S-Bahntrasse. Dann können die Fahrgäste anstelle der S-Bahn wieder die Fern- und Regionalzüge nutzen.
Welche Arbeiten finden während der Stadtbahn-Sperrung im Einzelnen statt?Katja Bleich: Kernstücke der Baumaßnahmen sind die Errichtung des Weichentrapezes im Hauptbahnhof, die Erneuerung von Fahrbahnübergangskonstruktionen an Brückenbauwerken und die Erneuerung von Schienen zwischen Hauptbahnhof und Bahnhof Zoologischer Garten. Am Ostbahnhof werden 14 Weichen neu verlegt und wir nutzen die Sperrung auch für Maßnahmen im Brandschutz und an den Hallendächern in den Bahnhöfen Zoologischer Garten und Ostbahnhof. Gleichzeitig tauschen unsere Bautrupps beispielsweise Schienenbefestigungen aus, setzen Weichen und das Entwässerungssystem instand, reinigen die Gleise und kümmern sich um die Oberleitungen.
Welchen Vorteil hat das für die Fahrgäste?Katja Bleich: Unser Ziel ist es, den reibungslosen Betrieb auf der Stadtbahn langfristig sicherzustellen. Das neue Weichentrapez am Hauptbahnhof wird den Schienenverkehr auf der Stadtbahn stabilisieren, weil wir dadurch bei Baustellen oder Störungen die Züge flexibler einsetzen können. Dass wir nun auch weitere wichtige Maßnahmen in dem Zeitraum umsetzen, erspart spätere kleinteilige Einschränkungen auf der Strecke. Denn die regelmäßige Instandhaltung oder Erneuerung ist unerlässlich, um die hoch frequentierte Schieneninfrastruktur zu erhalten.
Was sind die größten Herausforderungen bei diesem Projekt?Katja Bleich: Die größte Herausforderung ist sicherlich die hohe Anzahl von Beteiligten aus den verschiedensten Gewerken, wie Gleisbau, Leit- und Sicherungstechnik oder Ingenieurbau. Darum stimmen wir uns regelmäßig in Koordinierungsrunden ab. Zu unseren wichtigsten Aufgaben gehört auch, die Logistik zu optimieren: Die Züge für den Materialtransport zu den Baustellen müssen über den Außenring auf die Stadtbahn geführt werden, was bei der hohen Auslastung im Schienenverkehr mit Fingerspitzengefühl geplant werden muss.
Was reizt Sie persönlich an dieser Aufgabe?Katja Bleich: Ich mag Herausforderungen und koordiniere gern. Das Schöne ist ja, bei der DB gibt es für alles eine Expertin oder einen Experten, und alle sind bereit, ihr Wissen zu teilen. Das ist ein bisschen wie bei einem Orchester: Wir dirigieren, aber jede:r spielt das Instrument selbst und weiß am besten, wie sie oder er damit umgeht. Außerdem ist dieses Projekt fachlich und menschlich sehr vielseitig, weil unterschiedliche Gewerke und Charaktere zusammenkommen. Dabei lerne auch ich immer wieder dazu. Und egal, wie unterschiedlich die Perspektiven manchmal sind, am Ende sind wir ein großes Team und haben ein gemeinsames Ziel: Die Bahn muss fahren! Und zwar langfristig stabil und mit zufriedenen Kunden. Darauf bin ich nach getaner Arbeit auch stolz.
Zur Person: Katja Bleich
Katja Bleich von DB InfraGO leitet das fünfköpfige Team der Projektingenieure bei den sogenannten Eigenregieprojekten im Netz Berlin. Das Team koordiniert das Gesamtprojekt, wobei die einzelnen Baumaßnahmen jeweils ihre eigene Projektleitung haben. Zu den wichtigsten Aufgaben gehört dabei, Synergieeffekte zu schaffen sowie den Überblick zu behalten, welcher Streckenabschnitt wann für welche Bauarbeiten frei ist.
Immer aktuell informiert
Die jeweils beste Verbindung während der Stadtbahn-Sperrung lässt sich in der Reiseauskunft unter bahn.de sowie in der App DB Navigator abrufen. Alle Meldungen zu Baumaßnahmen in Berlin und Brandenburg sind in der DB Regio Verkehrsinfo unter bahn.de/verkehrsinfo-bb zu finden.
Text: terra press, punkt 3, 23.04.2026